Erfahrungen

… nach Afrika!

… im Frühjahr 2007 reiste ich erstmals nach Ostafrika aus!
An der kenianischen Pazifikküste konnte ich zunächst wenige Wochen mit Waisenkindern arbeiten und erste Eindrücke vom afrikanischen Leben sammeln.

An den Kindern hatte ich große Freude und durfte aus den Erfahrungen meines Freiwilligen Jahres im Kindergarten sowie der Kinder- und Jugendarbeit in meiner Gemeinde nun auch in afrikanische Kinder investieren. Die Rolle als “Großer Bruder” bei Sport, Unterricht, Ausflügen, Pflege der Kleinen und freundschaftlichen – oft auch tiefereren Gesprächen mit den größeren gefiel mir.
Die kurze Zeit war sehr, sehr intensiv und lehrreich, doch wie ich später feststellen musste noch immer oberflächlich.

Das Projekt – ehemals – über sich selbst:

“In Kenia – einem Land, in dem über 1,5 Millionen AIDS-kranke Menschen leben und jährlich mehr als 80.000 Menschen daran sterben – hat es sich das deutsche Ehepaar Petra und Helmut Müller seit 2004 zur Aufgabe gemacht, den wahren AIDS-Opfern zu helfen: den Waisenkindern.
Durch den qualvollen Tod der Eltern sind viele Kinder traumatisiert. Bereits während die Eltern noch leben, verarmen viele Familien. Allein lebende Waisen leben sehr isoliert und erhalten kaum Unterstützung, auch bleiben sie häufig vom Schulbesuch ausgeschlossen. Diese Kinder haben keine Schuld an ihrer Situation und keine Chance, aus eigener Kraft aus dem Elend heraus zu kommen.

„Saidia kwa Moyo „ zu Deutsch: „ Hilfe mit Herz“ ist das Motto des Waisenhauses in Kilifi, Kenia. Das Waisenhaus befindet sich etwa 60 km nördlich von Mombasa. […]
Vorrangiges Ziel des Waisenhauses ist es, den Kindern eine ausgewogene Ernährung, medizinische Versorgung, eine Schulausbildung und natürlich ein Dach über dem Kopf zu geben. Jedes Kind hat sein eigenes Bett mit Moskitonetz und sämtliche Vorschriften der Ministerien werden berücksichtigt und eingehalten.”

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Leider wurde das Projekt “Saidia kwa Moyo” (Hilfe mit Herz) mittlerweile eingestellt und ich kann nicht auf externe Quellen verlinken.

Kenia: Schlimme Umstände bringen tiefe Einblicke

Noch im selben Jahr, acht Monate später, zog es mich wieder an den selben Ort zurück. Ausgestattet mit angelernten Suaheli-Sprachkenntnissen und unzähligen Überstunden konnte ich gleich drei Monate am Stück in die neue Wahlheimat zurückkehren.

Entgegen meinen Planungen, einige Orte im Westen Kenias und Tansania zu sehen, blieb ich an der Küste ‘hängen’.

Die Präsidentschaftswahlen um Weihnachten haben unerwartete politische Unruhen nach sich gezogen und sämtlichen Überlandverkehr zum Erliegen gebracht. Mit den Kindern des Waisenhauses mussten wir uns auf engem Raum eines Hauses im Busch verstecken. Einige der Kinder gehörten verfeindeten Stämmen an und waren in akuter Gefahr.
Einige Zeit waren die Auseinandersetzungen sehr heftig. Tagsüber wurden Häuser der verfeindeten Stämme mit Zeichen versehen. Am Abend errichtete man Straßensperren, um ganze Orte und Dörfer abzuriegeln – keiner sollte rein und keiner sollte rauskommen. Nach Einbruch der Dämmerung ging es mit Macheten, Brandsätzen und sporadisch Feuerwaffen los.
Eine besondere Erfahrung wurde mir der Frieden in der Weihnachtsnacht, als die Waffen schwiegen, keine Hütten brannten und statt dem Licht der Feuer der Lobgesang der Gemeinden den Nachthimmel erfüllte…

In dieser Zeit wurden mir die neuen Suahelikenntnisse zum Segen. Statt der ursprünglichen Reisepläne machte ich mich mit dem Fahrrad im Busch auf den Weg, um bei allen verfeindeten Stämmen einmal “Gast” zu sein. Ich fand großen Zugang zu den Menschen der umliegenden Dörfer, die mich einluden an ihrem Leben teilzuhaben.
Als “Weißer” waren mir größere Freiheiten gegeben, als den Einheimischen. Schließlich wusste jeder, dass ich definitv kein “Feind” war. So lernte ich die verschiedenen Stämme und ihre Vorwürfe aneinander kennen. Auch die Dynamiken im Waisenhaus wurden mir klarer bewusst, denn die Kinder kamen aus all’ jenen Stämmen.
Nach drei Monaten ‘im Busch’ war mir klar ich würde womöglich meine Zukunft auf dem afrikanischen Kontinent verbringen…
Die Not der Menschen war groß aber es sollte sich nicht um die materielle Not handeln die mir zunächst so offensichtlich erschien.

Tansania: Straßenkinder und die Suche nach Hoffnung

Zehn Monate später konnte ich erneut nach Ostafrika zurück. Diesmal sollte es mir gelingen verschiedene Völker auch im Westen Kenias sowie in Tansania zu bereisen. 
Erneut konnte ich verschiedenenorts mit Kindern arbeiten … ob mit Waisenkindern, HIV-positiven Kindern, vernachlässigten Kindern im Inland oder aber Straßenkindern in der Stadt.

Ein stilles aber bis heute prägendes Erlebnis war meine Begegnung mit Kindersoldaten an der Grenze nach Uganda, doch diese sollte meinen dritten Aufenthalt in Afrika nicht bestimmen.
Gerade konnte ich zu einem Dienst hospitieren, bei dem HIV-positiven Kindern geholfen wurde und ich wollte weiter in einen Slum im Inland, um Nöte und Dienste unter Kindern in jenen Elendsvierteln kennen zu lernen.

Unterwegs verlor ich jedoch mein Bargeld, meine Bankkarten und alle Zugänge zu finanziellen Mitteln, so musste ich zu jenen Missionaren zurückkehren, von denen ich mich gerade auf den Weg gemacht hatte. Eine besondere Erfahrung: Kenianer, die ich nicht kannte aber die meine Situation erkannten zahlten mir zuvorkommend alle Ausgaben.
Zurück bei den Missionaren wollte ich dennoch weiter etwas Neues sehen, wusste aber, dass ich mich nicht weit von ihnen wegbewegen sollte, da sie mich mit Bargeld versorgen konnten.

Ich kam so nach Tansania. Eine Arbeit unter Straßenkindern war nicht, was auf meiner Prioritätenliste ganz oben stand – zu groß waren die negativen Erwartungen daran, doch es sollte anders kommen. Eine tansanische Familie hatte zu ihren vier leiblichen Kindern noch fünf Kinder “adoptiert”, um sie von der Straße zu holen. Ich wurde zum “Ndugu” – dem großen Bruder zu den anderen Kindern. Abends half ich ihnen bei den Hausaufgaben und während sie in der Schule waren ging ich mit ins Drop-In, wo Straßenkindern täglich eine biblische Geschichte erzählt, Wunden versorgt und eine Mahlzeit zubereitet wurde. Jeden Samstag ging ich mit einem Sozialarbeiter an den “Stendi”, wo Jugendliche in ausrangierten Güterwaggons hausten und Drogen konsumierten.

In dieser Zeit lerne ich auch “Michael Christian” kennen – einen Jugendlichen, der seit über zehn Jahren auf der Straße lebte. Die Begegnung mit ihm hat vieles in mir verändert. Nach unserer ersten Begegnung kehrt er nach Dar es Salaam zurück.
Er weiß, dass seine Eltern ihn wohl noch immer verfolgen, doch ihnen von Jesus zu erzählen ist ihm wichtiger, als das eigene Leben. Er durfte erleben, was Jesus in seinem Leben verändert hat und die Hoffnung des ewigen Lebens möchte er auch seinen Eltern ermöglichen.
Nach dieser Begegnung ist für mich nichts mehr wie zuvor. Ich reise Michael Christian hinterher. In der Hauptstadt angekommen finde ich ihn wieder und er führt mich in ein arabisches Viertel. Mit fünf anderen Straßenkindern, die zum Glauben an Jesus gefunden haben teilt er sich ein winziges Zimmer, eher eine Niche. Gemeinsam teilen sie mir von ihrem lebendigen Glauben mit. Sie gehen nicht länger zum Betteln auf die Straße sondern zum Predigen. Sie wissen, dass ihr Leben dabei an einem seidenen Faden hängt. “Gott versorgt uns – wir brauchen nicht weiter betteln. 65 Bücher der Bibel sprechen davon, dass wir als Christen verfolgt werden. Wir wissen woran wir sind”. Ihre Worte hallen mir nach.

 

Ich möchte länger bleiben und beantrage unbezahlten Urlaub. Die Chancen stehen schlecht, der Arbeitgeber ist zornig.
Mein “Urlaub” geht dem Ende entgegen und ich bereite mich auf die Rückreise vor. Innerlich bin ich gebrochen. Eine Rückkehr nach Europa erscheint mir völlig sinnlos. Das Leben hat größere Aufgaben, als Geld verdienen.

Mir ist klar, dass ich mein altes Leben nicht weiterleben kann. Gott hat ein Gebet aus 2005 beantwortet: “Brech mein Herz, wo Deines gebrochen ist” – und ich wünschte ich hätte dies nie gebetet.
Während dieser dritten Ostafrikareise wurde ich auf die geistliche Not der Menschen aufmerksam und entschloss mich meinen Beamtenjob aufzugeben, um eine neue berufliche Richtung einzuschlagen …

Ziegelsteine:

Im folgenden Artikel kannst Du von meiner Begegnung mit Michael Christian lesen.

Meine Zeit in Dodoma/Tansania war durch eine deutsche Mitarbeiterin der DMG / AIM möglich, die noch immer vor Ort arbeitet und treu ihren Dienst weiter ausbaut, um Straßenkindern ganzheitlich zu dienen.

Folgender – externe Link – gibt mehr Informationen über: